Samstag, 14. März 2026

Mehr als nur „Ungeziefer“: Eine Wanze auf Augenhöhe

Eine Wanze auf Augenhöhe (und warum genau hinschauen lohnt)

Kürzlich fand ich beim Spaziergang durch meinen Garten eine tote Wanze. Für die meisten vielleicht ein Moment zum Wegschauen, für mich als Makrofotografen jedoch eine seltene und faszinierende Gelegenheit. Ein unbewegliches Motiv, das nicht wegfliegt, wenn man ihm mit der Kameraausrüstung bis auf wenige Zentimeter auf die Pelle rückt. Ich habe die Chance genutzt, um diesen kleinen Kerl einmal ganz genau unter die Lupe zu nehmen – oder besser gesagt: vor die Linse. 
 
Porträt der Marmorierten Baumwanze

 

 Die Technik hinter den Details:  

Um Details sichtbar zu machen, die dem bloßen Auge verborgen bleiben, reicht ein normaler Schnappschuss nicht aus. Bei extremen Vergrößerungen ist die Schärfentiefe so hauchdünn, dass man nur einen winzigen Bruchteil des Insekts scharf abbilden kann. Die Lösung: Focus Stacking.

Hier ist mein Workflow für diese Serie:

  • Kamera: Meine OM System OM-1. Ihre Geschwindigkeit und die Fähigkeit automatisierte Stacks aufzunehmen sind ideal für Makro-Projekte

  • Objektiv: Das m.zuiko 90mm f/3.5 Macro IS PRO. Ein absolutes Biest, wenn es um Vergrößerung geht. Es erlaubt mir, tief in die Welt des Winzigen einzutauchen.

  • Aufnahme: Ich habe mehrere „Stacks“ aufgenommen. Das bedeutet, ich habe eine Serie von Bildern gemacht, bei denen ich den Fokuspunkt jeweils minimal verschoben habe, um das Insekt von vorne bis hinten scharf zu erfassen. Da mein Motiv glücklicherweise absolut stillhielt, konnte ich sehr präzise arbeiten. 

  • Software (Stacking): Die Einzelbilder habe ich mit Zerene Stacker zusammengefügt. Diese Software ist ein Spezialist darin, aus den scharfen Bereichen der Einzelaufnahmen ein einziges, durchgehend scharfes Bild zu berechnen.

  • Software (Bearbeitung): Den finalen Schliff, die Kontraste und die Farbgebung habe ich in Luminar neo vorgenommen.

     

     Filigran statt eklig: Die Wanze wie noch nie gesehen

     Mein Ziel war es, die Wanze nicht „von oben herab“ zu fotografieren, sondern sie auf Augenhöhe darzustellen. Ich wollte wissen: Wie sieht die Welt für sie aus? Und vor allem: Wie sieht sie wirklich aus?
 Insekten, und gerade Wanzen, werden oft reflexartig als „eklig“ oder „Ungeziefer“ tituliert. Doch das sind sie nicht. Sie sind wunderschöne, hochkomplexe Geschöpfe, die einen essenziellen Platz in unserem Ökosystem einnehmen. Sie sind Baumeister, Bestäuber, Zersetzer und Nahrungsgrundlage für viele andere Tiere.
 



 

Was denkt ihr?

Habt ihr Insekten schon einmal aus dieser Perspektive betrachtet?

1 Kommentar:

  1. Es ist faszinierend zu sehen, wie du den Blick für die oft übersehenen Details schärfst und zeigst, dass auch eine Wanze bei genauerem Hinsehen eine beeindruckende Ästhetik besitzt. Solche Makroaufnahmen helfen ungemein dabei, die Vorurteile gegenüber „Ungeziefer“ abzubauen und die Vielfalt der Natur in ihrer kleinsten Form wertzuschätzen. Mein Tipp für dich: Um die filigranen Strukturen und Farben der Panzer noch stärker hervorzuheben, könntest du bei künftigen Makros mit einem diffusen Seitenlicht experimentieren, um harte Schatten zu vermeiden und die Plastizität des Motivs zu betonen.

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