Donnerstag, 29. Dezember 2016

Linux Kubuntu # Fotografie: meine Programme, mein Workflow

Vor  ca 10 Jahren bin ich von Windows auf Linux umgestiegen. Ich hatte mich damals für Kubuntu entschieden. Das ist ein Ubuntu-Linux mit der KDE-Oberfläche. Bei dem Linux-Betriebessystem gibt es nicht nur eine Ausprägung die zeitgleich verfügbar ist (wie bei Windows), sondern viele Linux-Distributionen und davon wiederum viele Derivate. Ubuntu zählt sicher zu den bekanntesten Distributionen und der KDE-Desktop ist ein vielgenutztes Derivat.

Linux gilt für Fotografen nicht gerade als erste Wahl. Windows oder Apple-Systeme haben für Fotografen mehr zu bieten. Doch als ich mich für Linux entschied spielte das noch keine Rolle für mich.
In diesem Post will ich beschreiben welche Programme ich für mich zur Bildbearbeitung unter Linux nutze bzw. genutzte habe. Vielleicht ist ja für den ein oder anderen "Linuxer" ein guter Tipp dabei.

Ich bin ein Hobbyfotograf. Mein Bilder veröffentliche im Internet. Einige hängen auch bei mir zu Hause an der Wand und auch ein paar wenige Fotobücher liegen hier herum. Ein Bild hat es auch schon in einen Kalender einer Versicherung geschafft. Ein Profi hat sicherlich völlig andere Ansprüche an seine Bildbearbeitungssoftware als ich.

Meine Bilder für die oben genannten Zwecke haben den Farbraum sRGB. Das ist ein Farbraum mit dem fast alle Anzeigegeräte und auch Drucker/Dienstleister umgehen können. Damit kann man nicht viel falsch machen. Es gibt zwar Farbräume die mehr Farbnuancen darstellen können, aber dafür sollte man sich dann auch einigermaßen mit Farbmanagement auskennen. In den meisten Kameras ist der Farbraum sRGB voreingestellt.

Damit mein Monitor die Farben aber auch korrekt darstellt kalibriere ich ihn von Zeit zu Zeit. Dazu nutze ich den "Spyder3Express". Der ist zwar schon ein paar Jahre alt, aber tut es noch. Für Linux gibt es dazu eine hervorragende Software um das Gerät nutzen zu können: ArgyllCMS und die dazugehörige grafische Oberfläche DisplayCAL. Für andere BS gibt es die Software ebenfalls.

Um meine Bilder auf den Rechner zu importieren und zu verwalten habe ich zunächst Digikam genutzt. Digikam ist ein mächtiges Programm, das auch umfangreiche Bearbeitungsmöglichkeiten bietet.  Aber die meisten Funktionen habe ich nie genutzt und die Bedienung war mir immer zu friemelig.
Mittlerweile kopiere ich die Bilddateien einfach mit dem Dateimanager Dolphin von der SD-Karte auf die Festplatte. Auf der Festplatte habe ich für jedes Jahr einen Ordner eingerichtet und darin befinden sich wieder Ordner für die Monate. Die Ordner mit den Bildern benenne ich verschieden. Oft nach Orten in denen die Bilder entstanden sind, manchmal auch nach Themen (z.B. Makro-Pilze).
Ich speicher übrigens jedes Bild als JPG und RAW.

Eine erste Sichtung der Bilder führe ich mit dem schnellen und schlanken Bildbetrachter Geeqie durch. Dabei lösche ich dann gleich alle misslungenen Bilddateien.

Zur Bearbeitung der Bilder habe ich früher den GIMP genutzt. GIMP ist sicherlich fast jedem ein Begriff. Heute gebrauche ich das Programm nur noch selten. Wenn ich beispielsweise mit Texturen experimentiere oder für spezielle Aufgaben. Als ich ernsthaft mit dem Fotografieren begann (so 2008) habe ich nur die JPGs gespeichert. Als dann die RAW-Bearbeitung hinzukam, habe ich zunächst UFRaw ausprobiert, dann eine zeitlang das hervorragende, aber auch komplexe RawTherapee. Seit einigen Jahren nutze ich nun das kommerzielle Programm Corel AfterShot Pro  (ASP) in der aktuellsten Version. Das ist der einzige kommerzielle RAW-Konverter für Linux. Im Gegensatz zu RAWTherapee ist er sauschnell und relativ einfach zu bedienen. Die Installation in einem Linux 64bit System kann etwas nervig sein.

Zurück zum Workflow. ASP benötigt im Gegensatz zu Lightroom keine Kataloge und kann im Dateisystem des PCs nach Bilddateien suchen. Genauso wie eine Dateimanager. Trotzdem importiere ich meine Bilder in Kataloge. Dabei verschlagworte ich sie auch gleich in einem Rutsch. Bildern mit Schlagworten zu versehen ist ein erster, großer Schritt Ordnung in seine Bildersammlung zu bekommen. Dabei wird jedem Bild ein oder auch mehrere Schlagworte zugeordnet. Diese Worte werden meist im Katalog der Software oder auch in einer einzelnen Datei gespeichert und vereinfachen die spätere Wiederauffindbarkeit. Ich rate jedem sich über ein Schlagwortsystem Gedanken zu machen und diese Wörter auch zu nutzen.
Beim Import in den Katalog versehe ich die Bilder auch gleich mit einigen  IPTC-Informationen (Name, Copyright) und es werden einige Grundkorrekturen bei den RAWs durchgeführt (Graduation, Sättigung, Grundschärfung)
Außerdem vergebe ich Sterne und arbeite auch mit Farbetiketten.


Normalerweise findet die komplette eigentliche Bearbeitung der Bilder in AfterShot Pro statt. Andere Software (meist GIMP) nutze ich nur bei ganz speziellen Bildideen.
Ich bearbeite aber nur die Bilder, die ich weiterverwende. Meistens zeigen ich sie auf Google+, hier im Blog oder auf meiner Homepage. Wenige Bilder lasse ich ausdrucken. Erwähnen möchte ich auch noch die FotoAG des BUND Lemgo, wo ich auch schon mal Bilder hochlade. Andere SocialNetworks nutze ich nicht (mehr) oder nur vereinzelt.
Der ein oder andere möchte vielleicht wissen welche Bearbeitungsschritte ich normalerweise ausführe. Das wären: Graduation, Schärfe, Sättigung, ggf. Weißabgleich, Lichter wiederherstellen, lokaler Kontrast, lokale Bearbeitung der Farben (Luminaz, Vibrance, ggf. Farbton). Selten stempel ich auch mal einen störenden Fleck weg. Oft beschneide ich die Bilder auch. Entweder, weil ich ein anderes Format als 4:3 passender finde oder auch um Ausschnittsvergrößerungen zu bekommen. Bei den heutigen Pixelzahlen der Kameras kann man problemlos einen großen Teil des Bildes abschneiden und hat immer noch genügend Pixel ,zumindest für eine Webpräsentation, übrig. Bei Ausdrucken sieht  es aber wieder anders aus. Da sind viele Pixel schon sinnvoll.

Noch mal zusammengefasst: Import der Bilder (JPG+RAW) von SD-Karte auf Festplatte mit üblichen Dateimanager, erste Sichtung mit Geeqie, Verschlagwortung, Verwaltung und ggf. Bearbeitung mit Corel AfterShot Pro. Kalibrierung des Monitors mit ArgyllCMS und Spyder. Das wars auch schon. Andere Software nutze ich nur in Ausnahmefällen.

Bilder gibt es heute mal nicht 😉

Wer Fragen oder Ergänzungen hat, kann gerne einen Kommentar hinterlassen!










Kommentare:

Thomas Schubert hat gesagt…

Hi, Michael!
Eine kurze, aber lesenswerte Einführung in die Bildbearbeitung unter LINUX. Ich habe hier auch noch einen Notebook mit UBUNTU rumstehen, nutze auf meinem PC WIN10 mit LR5.7 und PSE14, plane aber den Umstieg auf ein MacBook. Da ist alles aus einem Guß, was mich an Windows und Linux stört.

MfG Thomas Schubert

Michael Nübel hat gesagt…

Hallo Thomas, Apple ist sicherlich ein schönes, funktionales System. Bei Linux ist manchmal "basteln" angesagt. Aber wenn es dann mal läuft ist es super.
Einen Umstieg auf Apple kann ich mir langfristig vorstellen, auf Windows eher nicht.
MfG Michael

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